Bericht "Axalp Fliegerschießen" 11.10.2007
Interlaken, 11.10.07 um 06:30 Uhr. Der erste Blick des Tages gilt dem Himmel bzw. der Bewölkung über der Region. Die Wolken hängen zäh bis hinunter ins Tal, es sind keine Berge zu erkennen. Es ist der zweite offizielle Tag der Fliegerdemonstration '07 auf der Axalp oberhalb des Brienzer Sees. Der erste Tag begann genau wie der heutige, und man bangte schon am Morgen um die Durchführung der Veranstaltung hoch oben auf 2.240m Höhe. Die Wetterbedingungen ließen dann doch den Helikoptertransport der geladenen Gäste sowie den pünktlichen Beginn der Veranstaltung um Punkt 14:00 Uhr zu. Leider musste die Show dann aber nach etwa 35 Minuten wegen plötzlich aufkommenden Nebels abgebrochen werden. Tausende Besucher verließen enttäuscht die Berggipfel, während die Helikoptertransporte unmittelbar einsetzten, um eine sichere Durchführung des Rücktransports der Gäste zu gewährleisten.
An diesem 2. Tag also hofft der Autor auf bessere Wetterbedingungen, da er eine Einladung der schweizer Luftwaffe samt Helikopter-Flugticket zur Axalp in Händen hält, wohl realisierend, dass aus Vorfreude schnell große Enttäuschung werden kann, wenn nur das Wetter nicht mitspielt. Von einer Mischung aus Skepsis und Hoffnung im Bauch wird die kurze Fahrt zum Startplatz auf der Luftwaffenbasis in Meiringen begleitet. Dort sieht es nicht anders aus als in Interlaken, und einzig die Tatsache, dass der Flug erst für 11:30 Uhr vorgesehen ist, lässt Raum für ein wenig Optimismus, dass der Himmel in den verbleibenden Stunden noch aufreißt.
Am Parkplatz auf dem Areal der Luftwaffenbasis Meiringen angekommen, wurde ich freundlich von Militärangehörigen empfangen und per Shuttlebus zum Hauptgebäude der Basis gefahren. Dort checkte ich mit meiner Einladung ein und betrachtete noch eine Weile das Eintreffen der vielen geladenen Gäste aus den Bereichen Politik, Militär und Familienangehörige. Ein Getränk in der Kantine der Basis verkürzte die Wartezeit zum Vortrag „Informationen zur Luftwaffe“, der dem Abflug per Helikopter vorausgehen sollte.
Axalp Fliegerschießen Galerie 1
Die Informationsveranstaltung diente dazu, den Gästen die Geschichte und Gegenwart sowie Status und Position der schweizer Luftwaffe näher zu bringen. Der Chef Einsatz der schweizer Luftwaffe, Divisionär Markus Gygax referierte in interessanter Weise über Probleme, die die Luftwaffe in einem flächenmäßig kleinen Land ohne Zugang zum Meer zu bewältigen hat. Eine Tourismusregion, als die man die gesamte Schweiz ansehen muss, bietet keine Möglichkeiten, Überschallflüge zu Test- u. Ausbildungszwecken zu absolvieren, wie es beispielsweise die Bundeswehr über der Nordsee kann. So ist die neutrale Schweiz auf die Hilfe und Partnerschaft anderer Länder angewiesen, um die eigene Luftwaffe auf einem hohen Ausbildungsniveau zu halten. Überschallflüge finden deshalb u.a. in Skandinavien statt. Mitten in Europa gelegen, wird die Schweiz täglich von etlichen Luftfahrzeugen aller Gattungen überflogen, was hohe Anforderungen an die Luftwaffe stellt, deren größte Aufgabe sicherlich die Wahrung der Lufthoheit mittels Luftpolizeidienst darstellt. Das jährlich stattfindende Weltwirtschaftsforum in Davos mit seinen zahlreich einfliegenden prominenten Gästen aller Nationen ist eine hohe Herausforderung für die schweizer Luftwaffe, die mit ihrer Präsenz im Luftraum für die Sicherheit der Teilnehmer Sorge tragen muss. Die sehr hohe Ausbildungsstand der Piloten kann nur durch regelmäßiges Training in heimischem Terrain aufrecht erhalten werden, was wiederum eine Belastung für die Bewohner und Touristen darstellt. Wie Divisionär Markus Gygax feststellte, kann die Luftwaffe Orientierung und Flug im Gebirge nicht über dem deutschen Wattenmeer üben, sondern nur dort, wo die zu erwartenden Einsätze stattfinden, was natürlich mit den Forderungen der Volksinitiative «Gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten» unter der Führung von Umweltschützer Franz Weber kollidiert. In dieser Beziehung ist in der Schweiz für die Zukunft noch einiges an Problemen zu erwarten.
Axalp Fliegerschießen Galerie 2
Nach Ende des Vortrages gelangten die Gäste direkt vom Vorlesungssaal auf das Flugfeld, wo bereits die ersten Transporthubschrauber vom Typ Eurocopter AS 532 UL „Cougar“, dem Arbeitspferd der Luftwaffe, mit laufenden Turbinen bereitstanden. Das Wetter hatte sich während der letzten Stunden gebessert, so dass über dem Tal nur noch eine dünne Nebelschicht lag, die teilweise schon einen Blick auf den blauen Himmel zuließ. Die Beschickung der Helikopter mit jeweils 20 Personen lief perfekt organisiert ab, so dass im 2 Minuten-Takt die Maschinen zur Axalp starteten. Der kurze Flug bot den Gästen ein herrliches Panorama auf den Brienzer See, den Ort Brienz sowie auf die umliegenden Berge und Axalp Dorf. Vorbei an den allen Axalp-Besuchern bekannten Zuschauerregionen Tschingel und Brau ging es dann zur Landung auf einem Grat in der Nähe des Kommandopostens. Dort lief die Entladung der Maschine in gewohnter Zügigkeit ab, was das Anfliegen der folgenden Helikopter im 2-Minutentakt ermöglichte. Es war faszinierend zu beobachten, wie präzise und professionell der Personentransport vonstatten ging.
Auf der Axalp präsentierte sich den Aviatikbegeisterten ein wolkenloser, blauer Himmel, der eine problemlose Abwicklung des Fliegerschießens versprach. Die Zuschauerbereiche waren bereits sehr gut besucht mit tausenden Fans, die sich an den aufgebauten Bratwurstständen mit Verpflegung versorgten, in der Sonne erholten oder die Aussicht und Atmosphäre genossen. Es war Sommerstimmung pur, und das Mitten im Herbst.
Um Punkt 14:00 Uhr auf „Omega exakt“ eröffnete dann der Helikopter Cougar T-341 mit dem spektakulären Ausstoß sämtlicher Flares die Fliegerdemonstration Axalp 2007. Flares sind pyrotechnische Mittel und Leuchtkugeln recht ähnlich. Sie sollen im Ernstfall anfliegenden Raketen mit Wärmesuchkopf ein Ziel vortäuschen und so vom eigentlichen Ziel, dem Helikopter ablenken. Im Anschluss an das Lichterspektakel zeigte der Cougar wie gewohnt seine Manövrierfähigkeit und Wendigkeit vor den blanken Felsen.
Weiter im Programm ging es mit einer simulierten Search & Rescue-Übung durch den REGA-Rettungshubschrauber, der zudem vor und nach seiner Rettungsdemonstration mit Windeneinsatz immer auf dem Grat zwischen Tschingel und Kommandoposten zur ständigen Bereitschaft geparkt war. Die REGA ist die schweizer Rettungsflugwacht und unterhält Helikopter vom Typ Agusta A 109 K2 und Eurocopter EC 145, die im Notfall von Jedermann angefordert werden können. Auf der Axalp kam, wie in den Jahren zuvor, die Agusta zum Einsatz.








